Bakterien stellen (Flug-)Benzin aus Abgasen her

Flugzeuge stoßen jedes Jahr fast eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid aus. Das entspricht 2,5% der gesamten CO2-Emissionen, die sich durch den Einsatz von nachhaltig erzeugten alternativen Flugkraftstoffen (engl. Sustainable aviation fuels = SAF) vermeiden ließen.

Einen vielversprechenden Weg zu deren Produktion eröffnet die Biotechnologie. Die Boeing 747 von Virgin Atlantic, die am 2. Oktober 2018 von Orlando in Florida nach London Gatwick abhob, absolvierte den ersten Transatlantikflug mit einer Mischung aus herkömmlichem und biotechnologisch hergestelltem Kerosin und emittierte dadurch 70% weniger CO2.

Produzent des Biokerosins ist das Unternehmen LanzaTech, das sich dabei der Hilfe von Clostridien bedient. Das sind besondere Bakterien, die zu den ältesten Lebewesen der Erde gehören. Ohne auf molekularen Sauerstoff angewiesen zu sein, ernähren sie sich ausschließlich von Gasen. LanzaTech, 2005 in Neuseeland gegründet, hat einen für diese Gasfermentation besonders ergiebigen Clostridien-Stamm entdeckt. Er wandelt Abgase, wie sie beispielsweise in der Stahlindustrie oder bei der Verbrennung von Müll entstehen, in Ethanol und andere Chemikalien um. In seiner ersten kommerziellen Anlage in China hat LanzaTech auf diese Weise schon mehr als 40 Millionen Liter Ethanol produziert.

Unterstützt vom Energieministerium der USA ist es LanzaTech in einer Pilotanlage im US-Bundesstaat Georgia gelungen, sein aus Abgasen gewonnenes Ethanol in zertifiziertes Kerosin umzuwandeln. Es ist effizienter als erdölbasiertes Flugbenzin und verbrennt sauberer. Auch die japanische All Nippon Airlines kooperiert inzwischen mit LanzaTech. Am 30. Oktober 2019 überführte sie eine Boeing 777 mit einer Beimischung aus Biokerosin von Seattle nach Tokio. Noch sind Biokerosine allerdings rund dreimal so teuer wie herkömmliche Flugkraftstoffe.  

Unabhängig vom Flugverkehr sieht die Stahl- und Chemieindustrie in der biotechnologischen Gasfermentation eine große Chance, ihre CO2-Emissionen zu verringern. Deshalb arbeiten beispielsweise auch ArcelorMittal und die BASF mit LanzaTech zusammen.